
Mühlentorplatz aus Richtung Mühlenbrücke gesehen (Anfang 2024) © ADFC Lübeck / Dennis Boldt
Mühlenteller – Verkehrsplanung ohne Blick in die Zukunft
Stellungnahme des ADFC Lübeck:
Der Mühlenteller soll umgebaut werden. Das Vorhaben, über das am Montag, den 20.04.26, im Bauausschuss entschieden werden soll, sorgt für Diskussionen. Aus Sicht des ADFC Lübeck geschieht dies derzeit unüberlegt.
Anlass ist die Unfallhäufung am Knotenpunkt. Die Interimslösung hat die Unfallzahlen zwar halbiert, doch besteht weiter Handlungsbedarf. Die Verwaltung schlägt zwei Varianten vor: einen Kreisverkehr (Qualitätsstufe E–F) oder eine signalisierte Kreuzung (D). „Ohne Frage hat die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden höchste Priorität", so Dennis Boldt vom ADFC Lübeck, „der Verwaltungsvorlage ist aber anzusehen, dass vom Auto aus gedacht wird."
Die Rolle des neuen Radschnellwegs
Vor einer Entscheidung müsse geklärt werden, wie sich die Verkehrsströme künftig entwickeln. Der geplante Radschnellweg entlang der Wallstraße sieht einen 4 m breiten Zweirichtungsradweg vor – wie der Kfz-Verkehr dort künftig geführt wird, ist noch ungeklärt. „Es wird schlichtweg nicht genug Platz übrig sein, um die gleiche Kapazität für Kfz zu gewährleisten wie bisher. Und damit fällt ein wichtiger Verkehrsstrom weg, der den Mühlenteller die letzten Jahre stark belastet hat", erklärt Boldt.
Der ADFC hat in seinem Veloroutenkonzept eine dreispurige Verkehrsführung auf der Mühlenbrücke vorgeschlagen.
Unzureichende Datengrundlage
Die Planung basiert auf Verkehrsdaten von 2020 – einer Ausnahmesituation mit voller Befahrbarkeit und weniger Schulverkehr. Dabei ist die aktuelle Situation mit gesperrter Mühlenbrücke womöglich näher an der zukünftigen Realität als die Zahlen von vor drei Jahren. Die aktuellen Unfallzahlen wurden erst einen Tag vor der Bauausschusssitzung veröffentlicht. Sie zeigen einen weiteren Anstieg der verletzten Radfahrer*innen. Laut des Verkehrssicherheitsberichts ist eine häufige Ursache von Unfällen in den lübecker Kreisverkehren das Nichtbeachten der Vorfahrt von Radfahrern beim Einfahren von Kfz in den Verkehrsverteiler.
Noch Ende letzten Jahres hat die Verwaltung darauf gedrängt, das Projekt ‘Straßenbahn’ fallen zu lassen, und erklärt, man werde stattdessen auf die Stärkung des Radverkehrs hinarbeiten. Sich jetzt bei der nächsten Gelegenheit unzureichend mit den Gegebenheiten auseinanderzusetzen und den Fluss des Radverkehrs in einem so wichtigen Knotenpunkt zu schaden, ist unverantwortlich.
Forderungen des ADFC Lübeck
Der ADFC fordert ein klares Bekenntnis zur Neuordnung der Verkehrsführung in der Wallstraße. Geschützte Kreisverkehre nach niederländischem Vorbild [1] fördern die Sichtbeziehung zwischen allen Verkehrsteilnehmern. In der Kreisverkehr-Variante werden insbesondere ein engerer Kreisradius, 90° Abbiegewinkel mit Aufstellfläche für Kfz sowie Aufpflasterung von Rad- und Fußwegen an den Ausfahrten berücksichtigt. In keinem Fall darf es zu einer Benachteiligung des Radverkehrs kommen.
Lübeck hat sich verpflichtet, den Radverkehr zu stärken. Der Mühlenteller ist die Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen – wenn sich die Verwaltung und die Politik die Zeit nimmt, es langfristig für die Zukunft richtig zu machen.












